Grundschule Oberlößnitz in Radebeul
wettbewerb | sCHULE
Der Wettbewerbsbeitrag von Schormann Architekten & Ingenieure für die Grundschule Oberlößnitz zeigt, wie moderne Bildungsarchitektur sensibel auf einen historisch gewachsenen Kontext reagieren kann. Das Konzept umfasst einen terrassierten Baukörper in Passivhausbauweise, der sich in die Topografie der Weinberge einfügt und die Wegestruktur des Areals bewahrt.
PROJEKTDATEN
Grundschule Oberlößnitz
Augustusweg 58-62b
01445 Radebeul
GRUNDSTÜCKSFLÄCHE
43.827 m²
PLANUNG
2009
PROJEKTLEITUNG:
Ralf Arno Schormann
Wettbewerb für eine Passivhausgrundschule
Für den Neubau einer Grundschule mit Hort, Jugendtreff und Sporthalle hat die Stadt Radebeul in Sachsen einen Architekturwettbewerb ausgelobt. Das Gebäude soll im Passivhaus-Standard geplant werden, sich in den städtebaulichen Kontext und den umgebenden Landschaftsraum einfügen und die einst bedeutende Gartenanlage zeitgemäß weiterentwickeln. Auch die Planung der Freisportanlagen, Pausen- und Freiflächen gehören zum Leistungsumfang.
Städtebau und Terrassierung
Unser Entwurf für die Grundschule Oberlößnitz fügt sich harmonisch in die Topografie der Radebeuler Weinberge ein. Die Architektur orientiert sich an der typischen Streifenstruktur der Weinberghänge: Wie die Reben, wird auch das gesamte Raumprogramm stufenweise in den Hügel terrassiert. Die zurückgesetzte Gebäudekante schafft Raum für großzügige Grünflächen, die als natürlicher Lärmschutz zur Straße fungieren und den Blick auf den historischen Villenbestand freihalten.
Zwei Höfe als funktionales Herzstück
Die Organisation des Schulalltags folgt der Topografie: Zwei zentrale Höfe auf unterschiedlichen Niveaus ermöglichen unterschiedliche Nutzungen. Während der tiefer gelegene Hof den geschützten Rahmen für den regulären Schulbetrieb bildet, öffnet sich der obere Hof linear zur Landschaft. Hier befinden sich die Bereiche für Hort und Ganztagsangebote sowie der Übergang zu den Sportflächen. Ein eigenständiges Gebäude für den Jugendtreff ergänzt den Komplex und ermöglicht eine unabhängige Nutzung durch verschiedene Altersgruppen.
Fünf Fassaden im lokalen Kolorit
Die Fassadengestaltung übersetzt das lokale Kolorit in eine moderne Formsprache: Sandstein, Holz und erdige Töne spiegeln die Themen Fels, Rebe und Erde wider. Ein besonderes Merkmal ist die Gestaltung der Dachflächen als „fünfte Fassade“: Extensiv begrünt, wirken sie als natürlicher Wärmeschutz und lassen die Architektur optisch mit der umgebenden Kulturlandschaft verschmelzen.
Intelligentes Thermo- und Wassermanagement
Der Schulkomplex erfüllt den Passivhausstandard durch ein innovatives Zusammenspiel von Heiz- und Kühltechnik. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe versorgt im Winter die Lüftungsanlage und Fußbodenheizungen. Im Sommer schaltet das System in den Kühlbetrieb um, wobei die Warmwasserversorgung zu 100 % über eine Solaranlage erfolgt. Die kontrollierte Be- und Entlüftung mit einer Wärmerückgewinnung von bis zu 80 % garantiert nicht nur eine hohe CO2-Einsparung, sondern sichert auch bei hohen Klassenbelegungen beste Raumluftqualität. Ergänzend sieht das Konzept ein intelligentes Wassermanagement vor, das Regenwasser über Zisternen für die Sanitäranlagen und Außenbereiche nutzbar macht.


