Parkhaus, Bochum

Parkhaus Jahrhunderthalle, Bochum

Dort, wo einst der Puls der Industriekultur schlug, hat das Ruhrgebiet ein Energiezentrum anderer Art hervorgebracht: Die Jahrhunderthalle Bochum, ehemals Gaskraftzentrale eines Bochumer Stahlwerks, ist heute eines der außergewöhnlichsten Festspielhäuser Europas mit großem Publikumsandrang. Bislang parken Besucher auf umliegenden Brachflächen. Um komfortable Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort zu bieten, ist südwestlich der Jahrhunderthalle ein Parkhaus mit 325 Stellplätzen geplant.

Die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH hat als zukünftige Eigentümerin und Betreiberin dafür einen begrenzten Realisierungswettbewerb ausgelobt, um ein architektonisch und städtebaulich qualitätsvolles, aus Nutzersicht einladendes, transparentes und ansprechendes Parkhaus zu entwickeln, das den Besonderheiten der Umgebung gerecht wird.

Industrieruinen, Schlackenhalden und eine üppige Biotopfläche prägen die Umgebung der Jahrhunderthalle und beeinflussen die Konzeption des Parkhauses. Schormann Architekten haben dafür zwei Baukörper entwickelt, die durch Rampen zu einem morphologischen Band verbunden sind und sich der über drei Ebenen terrassierten Landschaft anpassen. Der eine Gebäudeteil steigt dem Straßenverlauf zur Jahrhunderthalle folgend an, während der andere auf einer tieferen Ebene horizontal aufliegt. Sie umschließen zwei Innenhöfe mit pflanzenbewachsenen Fassaden und Stableuchten, so genannten elektrischen Birken. Auf diese Weise wird die Idee eines „Parkscape“ verwirklicht – einer Mischung aus „Parken“ und „Landscape“ als gebaute Landschaft, die sich aus der besonderen Topographie des Geländes entwickelt.

Das Parkhaus verfügt über 358 Stellplätze auf drei Ebenen mit der Möglichkeit für eine spätere Erweiterung. Der Stahl-Beton-Verbundbau hat eine natürliche Querlüftung. Im Regelfeld von 4,80 x 16 Metern spannt das Regelstützenraster jeweils über vier Stellplätze. Die konstruktive Aussteifung erfolgt über die Stahlprofilfassade in Rautenstruktur. In die Fassade sind schwarz glänzende Aluminiumbleche eingebracht, die als Assoziation zum Kohlebergbau die umliegende Landschaft mit ihren Schlackenhalden widerspiegeln. Teilbereiche der Fassade werden von Pflanzen überrankt. Auch das Dach ist als „fünfte Fassade“ begrünt und bildet eine Einheit mit dem umliegenden Park.

Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt von einer Zubringerstraße aus Richtung des Kreisels zur westlichen Gebäudeseite. Über eine Rampenschlaufe, die alle Geschosse miteinander verbindet, gelangt man zur höchsten Parkebene, um von dort aus nach einem geeigneten Parkplatz zu suchen. Dieser Weg inszeniert das Fahren durch die gebaute (Park-)Landschaft und bietet interessante Ausblicke auf das Gelände. Eine zentrale Treppe im Kreuzungspunkt der beiden Innenhöfe führt zum Ausgang auf das höchste Deck und damit auf die Ebene zum Straßenanschluss an die Jahrhunderthalle. Alternativ können Besucher einen öffentlichen Aufzug an der östlichen Gebäudeseite nutzen, der auch für externe Fußgänger einen bequemen Übergang vom Kolosseumsvorplatz zur Jahrhunderthalle bietet.